Xanten

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Unsere Reisegruppe

Am 12. Juni, einem Tag mit moderatem Wetter zwischen all den sonnigen Tagen davor und danach, fuhren wir, d.h. die Seniorinnen und Senioren der Telekom und der fr. Direktionen Münster mit einem bis auf den letzten Platz besetzten komfortablen Reisebus der Fa. Elpers in das niederrheinische Xanten, unserem diesjährigen Reiseziel.

Nach zügiger Fahrt erreichten wir planmäßig den Zielort, konnten uns dort noch ein wenig die Füße vertreten und begaben uns dann in 2 Gruppen, jede mit einem Stadtführer, auf einen Rundgang durch die ca. 8000 Einwohner zählende Stadt, die im letzten Krieg als Brückenkopf am Rhein zu 80 % zerstört und von fleißigen Bürgern weitgehend im alten Stil wieder aufgebaut worden war. Ad sanctos (zu den Heiligen) ist Namensgeber Xantens. Vom Marktplatz kommend betraten wir durch das wieder erstandene Michaelstor den Immunitätsbezirk, ein in den früheren Jahren der Kirche angehörendes Gebiet, das von der weltlichen Macht unabhängig und mit einem besonderen Status augestattet war (z.B. Steuerfreiheit). Wir bewunderten die Berendoncksche Kreuzigungsgruppe vor dem Dom. Ein römischer Grabstein nahe dem Regionalmuseum bekundet als einziger nachweisbarer Zeuge die Schlacht im Teutoburger Wald 9 n.Chr., die von hier ihren Ausgang nahm. An der Stiftsschule und den Lagerhäusern des fr. Stiftes vorbei durch die Brückgasse mit wieder aufgebauten gotischen Wohnhäusern erreichten wir die Stadtmauer mit einer imposanten Windmühle, der Krimhildsmühle, die auch heute noch in Betrieb ist. Beeindruckend das Klever Doppeltor aus dem 14. Jh., in dessen einem Teil Ferienwohnungen eingerichtet worden waren. Von Pumpengemeinschaften, die sich in früherer Zeit um öffentliche Trinkwasserpumpen gebildet hatten und mit ihrem Pumpenmeister in erster Linie soziale Angelegenheiten ihres Bereichs zu regeln hatten (auch heute noch!), hörten wir hier zum ersten Mal. Wir erfuhren von einer Teilung der Stadt im Mittelalter und sonstigen Begebenheiten, die hier im Einzelnen jedoch nicht aufgezählt werden können.

Mittagspause in Neumaiers Hotel. Ich glaube, niemand hat das Hotel nach Einnahme der Mittagsmahlzeit unzufrieden verlassen. Besonders der rheinische Sauerbraten war eine Gaumenfreude, was von vielen unserer Gruppe bestätigt wurde.

Der Nachmittag war einem Dombesuch vorbehalten. Xanten ohne St. Viktor ist wie Köln ohne Dom. Birgt doch die gotische fünfschiffige Kirche mit ihren markanten Türmen und ihrem einmaligen staufischen Westwerk eine so große Anzahl von Kunstgegenständen, die auf einem Rundgang durch ihr Inneres nicht alle betrachtet werden können. Wir hatten uns eine ganze Menge zugemutet. 17 Altäre, 23 Steinskulpturen, 24 Glasfenster sowie eine Vielzahl anderer Kunstgegenstände im Hochchor, dem von der Gemeindekirche durch Chorschranken und einem mittelalterlichen Lettner getrennten Stiftsherrenchor, warteten auf unsere Erkundung. Der wunderschöne Marienaltar mit der Gottesmutter – ein Hauptwerk niederrheinischer Schnitzkunst, dessen Retabel von dem filigranen Schnitzwerk der Wurzel Jesse umfaßt wird, der Märtyreraltar – ein Meisterwerk der Lukasgilde in Antwerpen -, der zu Ehren der 10 000 persischen Märtyrer aufgestellt wurde, der neuzeitige Gemeindealtar mit den Weinreben an der Stirnseite und dem Motto: Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben, sollen hier neben dem alles überstrahlenden Hauptaltar zu Ehren des hl.Viktor mit dem Reliquienschrein im Zentrum des Altarretabels, umgeben von 12 versilberten Reliquienbüsten, besonders herausgestellt werden. Wen wundert es, daß uns auf unserem Rundgang ein weiterer bedeutender Altar des Mittelalters, nämlich der des Heiligen Antonius, abhanden kam. Der Heilige wäre nicht der Helfer beim Wiederfinden verlorener Gegenstände, wenn er uns schließlich doch noch zu „seinem Altar“ geführt hätte, und das an einem Tag vor seinem Geburtsfest. Die thebäische Legion mit St. Viktor, die hl. Helena, das Märtyrergrab in der Krypta und auch die Architektur des prachtvollen Doms mit seinem wunderschönen Netzgewölbe, das wie Flammen rot leuchtende monumentale gotische Fenster im Westwerk und für Münsteraner das Galenfenster waren Themen, die in der uns zur Verfügung stehenden Zeit mehr oder weniger nur gestreift werden konnten.

Die Zeit im Dom war im Fluge vergangen und wir machten uns auf zur wohlverdienten Kaffeepause im Cafe-Restaurant zur Rheinfähre, unmittelbar am Strom gelegen, wo wir uns vor unserer Heimfahrt noch einmal mit köstlichen Kuchen stärken konnten. Nach angenehmer Rückfahrt kamen wir um 19:15 Uhr wohlbehalten wieder in Münster an.

Karl Grewe