Schloss Wewelsburg

Ein Ort der Erinnerung

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Schloss Wewelsburg

48 Seniorinnen und Senioren der Telekom und der fr. Direktionen Postdienst und Telekom trafen sich am 11.06.2008 morgens bei herrlichem Wetter am Ostbahnhof in Münster um mit einem Bus der Fa. Elpers zur Wewelsburg zu fahren.

Etwa 20 km südwestlich von Paderborn liegt das in den Jahren 1603 – 1609 erbaute Dreiecksschloss auf einem Bergsporn hoch über dem Almetal. Die Wewelsburg ist heute einmal das historische Museum des Hochstifts Paderborn, durch das wir , in zwei Gruppen aufgeteilt, von kompetenten Fremdenführerinnen auf kurzweilige Art und manchmal mit Humor geleitet wurden und mit Geschichten aus dem Paderborner Land, der Religiösität dieser Gegend und seiner Geistlichkeit vertraut gemacht wurden. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Name Friedrich Wilhelm Adam Sertürner, der in Neuhaus lebte und das Mophium entdeckt hat. Hier habe ich auch erfahren, daß der berühmte Münsteraner Bildhauer Gröninger eine begabte Tochter hatte, die ebenfalls als Bildhauerin erfolgreich im Hochstift gearbeitet hat. Zum anderen beherbergt die Wewelsburg eine zeitgenössische Dokumentation über die SS-Herrschaft Heinrich Himmlers an diesem Ort in den Jahren 1933 – 1945. Als Zeitzeuge aus dieser Zeit ist der wuchtige und unversehrt gebliebene Nordturm zu sehen, dem unser nächster Besuch galt und den Himmler in seiner obskuren Ideenwelt zum Mittelpunkt einer NS-gelenkten Welt machen wollte. Die ehemalige fürstbischöfliche Kapelle im Erdgeschoss des Nordturms sollte nach Himmlers Plänen als „SS-Obergruppenführersaal“ dienen. In der Mitte des Raumes entstand ein Fußbodenmosaik in Form eines Sonnenrades, das bis heute in rechtsextremistischen und rechtsesoterischen Kreisen als „schwarze Sonne“ bezeichnet wird. Im Keller des Nordturmes wurde die ehemalige Zisterne zur so genannten „Gruft“ umgebaut. Hier sollten möglicherweise verstorbene SS-Führer geehrt werden. In der Mitte des Raumes ist eine Vertiefung vorhanden, die vermutlich als Flammenschale dienen sollte. Besucher, die in der Mitte dieser Vertiefung stehen, erleben einen merkwürdigen akustischen Effekt, der auch jeden von uns überraschte. Wie ein Mikro verstärkt der Raum ein gesprochenes Wort.

Die Mittagszeit war nahe gekommen und wir ließen es uns in dem nur wenige Schritte von der Burg entfernten historischen Landgasthaus Ottens Hof, einem 300 Jahre alten Fachwerkhaus, an reich gedeckter Tafel köstlich munden. Hier hatte die SS zu ihrer Zeit das NS-Dorfgemeinschaftshaus als kulturellen Mittelpunkt des Dorfes eingerichtet, was bei näherem Hinsehen noch an der Ausstattung der Fassade und des Giebels mit entsprechenden Emblemen erkenntlich ist.

Nach der Mittagspause besuchten wir im ehemaligen Wachhaus der Burg die Dokumentation über den SS-Terror im Konzentrationslager Niederhagen. Dabei wurden wir mit einem Film über das KZ mit den dort begangenen Greueltaten der Nazis informiert. In dem kleinsten KZ des Reiches waren Gefangene untergebracht, die bis zur Erschöpfung nach dem Motto „Vernichtung durch Arbeit“ für die Verwirklichung der Pläne Himmlers, Wewelsburg als SS-Kultstätte auszubauen, zu arbeiten hatten. Bei dem anschließenden Gang durch die Ausstellung blieb uns noch genügend Zeit, das gewonnene Wissen zu vertiefen.

Es war inzwischen 15:00 Uhr geworden. Wir wollten doch noch Kaffeetrinken. Zu dieser Leckerei erwartete uns die Familie Antpöhler im „Gastlichen Dorf“, in der Nähe von Delbrück gelegen. Das „Gastliche Dorf“ ist ein Ensemble von verschiedenen original restaurierten Fachwerkgebäuden aus dem 16. und 18. Jahrhundert. Im Hof Nelling aus dem Jahre 1765 war für uns die Kaffeetafel bereits gedeckt, als wir dort ankamen. Nach dem Kaffeetrinken blieb uns noch ein wenig Zeit die Dorfanlagen zu besichtigen. Den Schlußpunkt setzte dann der Besuch des Dorfladens mit seinen Spezialitäten aus bäuerlicher und eigener Erzeugnung, der von vielen mit kleinen „Mitbringseln“ verlassen wurde. Dann gings heimwärts. Nach zügiger Fahrt durch das schöne Münsterland erreichten wir gegen 19:00 Uhr wohlbehalten unseren Ausgangspunkt der Reise mit einem zufriedenen Rückblick auf einen erlebnisreichen Tag im Kreise früherer Kolleginnen und Kollegen.

Karl Grewe